EDIFACT im Reifenfachhandel:
Der Branchenstandard "EDIWheel" stellt sich vor

Millionenfach werden täglich Geschäftsprozesse zwischen dem Handel und der Industrie abgewickelt. Es beginnt bei der Verfügbarkeitsanfrage und endet im Rahmen der Auftragsabwicklung mit der Rechnungserstellung. Als Beleg oder Dokument dienen analoge Medien wie Telefon, Fax oder Papier. Die enthaltenen Informationen dienen der Disposition, der Bereitstellung der Ware, begleiten den Warenfluss oder sind für die nachgelagerte Administration des Geschäftsvorfalls vorgesehen. Die Bearbeitung der Geschäftsvorfälle fordert Personalaufwand, ist zeitintensiv und durch manuelle Erfassung und Medienbrüche äußerst fehleranfällig.

Hier setzt EDI an. Die aus den USA stammende Abkürzung steht für Electronic Data Interchange und umschreibt den Ansatz, durch die elektronische Verknüpfung betrieblicher Anwendungssysteme zwischenbetriebliche Prozesse zu vereinfachen und effizienter zu gestalten. EDI ermöglicht es, strukturierte Geschäftsdaten zwischen räumlich getrennten Anwendungen, sprich Computersystemen, so auszutauschen, dass diese von der Anwendung des empfangenen EDI-Partners automatisch verarbeitet werden können. Als strukturierte Geschäftsdaten werden alle Informationen bezeichnet, die sich in Form von Formularen abbilden lassen.

Die EDI-Potentiale resultieren aus dem fehlerfreien, schnellen, sicheren und kostengünstigen Austausch dieser – zumeist ohnehin schon in IT-Systemen gespeicherten - Geschäftsdaten, sowie der automatisierten Bearbeitung. Es ergeben sich insbesondere Kosten- und Zeitersparnisse.

Betriebswirtschaftlich betrachtet führt EDI zu Qualitätsverbesserungen durch die Senkung des administrativen Aufwandes aufgrund verbesserter inner- und zwischenbetrieblicher Materialflüsse.

Durch diese Potentiale ist EDI geradezu prädestiniert für den Reifenhandel. Infolge des harten Wettbewerbdrucks müssen die Reifenhändler Instrumente einsetzen, die den internen Aufwand minimieren helfen. Durch die Implementierung von EDI können sowohl strategische als auch operative Wettbewerbsvorteile realisiert werden:

Diese wettbewerbswirksamen Vorteile einer Implementierung des EDI-Datenaustausches sichern und steigern die Wettbewerbsfähigkeit des Reifenhandels.

Weitere Vorteile bietet der wdk-/BRV-Standard für die Reifenbranche. Bilateral lassen sich zwar Absprachen zwischen Reifenhandel und Reifenhersteller tätigen, die einen kurzfristigen Erfolg bei der Nutzung von übertragenen Daten darstellen können. Kommt allerdings ein zweiter Hersteller ins Spiel, fängt es an problematisch zu werden. Werden weitere einbezogen, sind die Prozesse nicht mehr beherrschbar. Diese Situation ist im Reifenhandel gegeben. Kaum ein Reifenhändler legt sich auf die alleinige Vermarktung der Reifen eines Herstellers fest.

Die Existenz verschiedener bilateraler Vereinbarungen zum Austausch von Geschäftsdaten führt dazu, dass jeder Beteiligte die individuellen Anforderungen aller Partner sowohl inhaltlich als auch technisch erfüllen muß und darüber hinaus ein Abstimmungsbedarf besteht, der langfristig von keinem zu leisten ist.

Ein Branchenstandard unterstützt die Anforderungen, die Handel und Industrie gemeinsam vereinbaren, sowohl inhaltlich als auch formal. Er schafft Voraussetzungen, die allen Beteiligten zugute kommen. Neben der funktionalen Seite ist die Investitionssicherheit ein wesentlicher Aspekt, der einen Branchenstandard erforderlich macht.

Der hier dokumentierte Standard bietet alle genannten Vorteile. Zudem sind alle in Deutschland maßgeblichen Reifenhersteller beteiligt.

Die erzielbaren Wettbewerbsvorteile stehen allerdings in starker Abhängigkeit von der Integrationstiefe des EDI-Einsatzes. Je höher der Implementierungsgrad, desto größer auch der Benefit. In der heutigen Zeit darf dies nicht abschrecken, sondern muß im Gegenteil dazu anspornen, die sich bietenden Möglichkeiten voll auszuschöpfen.
 

Die Dokumentation des Branchenstandards
- traditionelles EDI -

Dieses Dokument beschreibt die Anwendung des EDIFACT-Subsets EANCOM für den Handel in seiner speziellen Ausprägung für den Reifenfachhandel mit Namen "EDIWheel". In diesem branchenspezifischen Subset ist eine Prozesskette vom elektronischen Produkt- und Preiskatalog (PRICAT) über Bestellungen (ORDERS), Bestellbestätigung (ORDRSP), Liefermeldung (DESADV) bis zur elektronischen Rechnung (INVOIC) abgebildet.

   UNA
   UNB                     -┐
      UNH    -┐             |
        BGM   | erste       |
        ...   | Nachricht   |
      UNT    -┘             | Übertragungs-
      UNH    -┐             | datei
        BGM   | zweite      |
        ...   | Nachricht   |
      UNT    -┘             |
      ...usw.               |
   UNZ                     -┘

Jede EDIFACT Nachricht nutzt eine festgelegte Struktur. Die Spezifikation der Trennzeichen
- Vorgabe UNA sowie der Service Segmente UNB und UNZ, die eine einem Briefumschlag vergleichbare Funktion haben, ist in einer gesonderten Dokumentation dargestellt.

Die Dokumentation beschreibt Struktur und Inhalte der Segmentfolge UNH bis UNT.
 

Wie ist die Dokumentation zu lesen?

Wenn in der Spalte "Anwendung" codierter Datenelemente Angaben von Codewerten und Codename aufgeführt sind, dann sind diese Codes die einzig zulässigen Werte für das betreffende Datenelement (siehe auch Abbildung).

In der Dokumentation werden Statusangaben verwendet. Die originalen EDIFACT-Statusangaben sind C und M. In der Dokumentation wird der EDIFACT Status C aufgefächert. Es bedeutet:

Es muss unbedingt darauf geachtet werden, dass Dateneinheiten hierarchisch angeordnet sind. So kann eine untergeordnete Dateneinheit den Status M – Muss haben - aber die Übergeordnete den Status O – Optional. Z.B. ein Segment hat den Status M und die übergeordnete Segmentgruppe den Status O. Das bedeutet: Wenn die Segmentgruppe gesendet wird, dann muss das Segment gesendet werden.

Die vorkommenden Formatangaben, z.B. an..14, grenzen die originalen EDIFACT-Werte bei Bedarf und Möglichkeit weiter ein. Es handelt sich also um Anwendungsformatangaben. Gleiches gilt für die Wiederholungsangaben bei Segmenten und Segmentgruppen. Die Abfolge der einzelnen Segmente in der Dokumentation entspricht auch der Abfolge der Segmente in der zu sendenden Nachricht.

Beispiele illustrieren die Verwendung der einzelnen Segmente. Die Inhalte lassen keine Rückschlüsse zu, da diese in der Regel automatisch generiert sind.

In der Segmentbeschreibung ist in der Spalte "Anwendung .. " oft das Kürzel BSU zu finden. Dahinter steht der Name / die Beschreibung der fachlichen Information, die mit dem jeweiligen Datenelement transportiert wird.

Schematische Darstellung

Grundsätze:

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